Das Berlin Zentralasiens
Die usbekische Hauptstadt präsentierte sich uns bei den ersten Autofahrten durch die Straßen mit viel Grün, Glas und Beton. In der Tat trägt das Stadtzentrum die Handschrift jüngerer Architekten, deren Auftraggeber zum einen über viel Geld verfügen und zum anderen einen Hang zum Pathos, um nicht zu sagen zum Bombast, besitzen müssen. Modernste Büro- und Repräsentativpaläste, die man vielleicht in einer westlichen Metropole, nicht aber irgendwo in Zentralasien vermuten würde - wenngleich Taschkent mit seinen zweieinhalb Millionen Einwohnern sicher nicht irgendein Provinznest ist. Dies erinnerte mich - neben den großzügigen Grünflächen und dem weitläufigen, "multipolaren" Zentrum - stark an unsere eigene Hauptstadt.
Jetzt ist die Stelle gekommen, um Rustams Schwiegereltern fuer die wundervolle Gastfreundschaft und selbstlose Mühe, die sie sich mit uns gaben, zu danken. Nach einem ebenso schmackhaften wie opulenten Frühstück nahm Anwar (unser Gastgeber) uns mit zu einer Koranlesung, wo man nicht nur Koransuren und uzbekischer Musik lauschen konnte, sondern auch ein scharf angebratenes, orientalisch gewürztes Plov sowie andere Köstlichkeiten essen konnte. Anschließend wurden wir zu Rustams leerstehender Wohnung gebracht, und erhielten gleich eine Einladung zum (ebenfalls fantastischen) Abendessen am selben Tag. Überflüssig zu erwähnen, daß es absolut unvergleichlich ist, in dieser Weise empfangen zu werden.
Entgegen unseren eigenen Erwartungen hielt Taschkent, das auch einige alte Bauwerke besitzt, uns länger gefangen als erwartet. Es ist einfach eine sehr angenehme Stadt, in der man gerne mal das Tempo verlangsamt, um auf einem der prächtigen Plätze den Blick oder das schöne Wetter zu genießen oder in einem Café eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. Außerdem stand am 31.8./1.9. der Unabhängigkeitstag an. Als wir jedoch am Abend des 31. August uns in die Richtung aufmachten, wo das Feuerwerk stattfinden sollte, wurde uns an einer Straßensperre der Durchgang verwehrt - Zutritt nur für geladenene Gäste. An einem anderen Übergang waren wir erfolgreicher und wurden durchgewinkt. Innerhalb der gesperrten Zone herrschte Belagerungszustand - kaum ein Mensch auf den Straßen, geschweige denn ein Auto unterwegs, gespenstische Ruhe. Erst als wir auf einen zentralen Platz zuliefen, begegneten uns mehrere Anwohner, die genauso wie wir das Feuerwerk verfolgen wollten. Die oberen Zehntausend waren in einer großen Konzerthalle bzw. auf einem dazugehörigen Platz unter sich. Nach längerem Warten, das wir nutzten, um uns mit zwei jungen Usbeken (Abror und Azror) anzufreunden, fand endlich ein imposantes Geballere statt, das den Vorabend des Unabhängigkeitstages schwungvoll abschloß.
Am nächsten Tag führte uns Abror durch ein ausgelassenes, in Volksfeststimmung befindliches Taschkent (Straßen- und Parkfeste), bevor wir unseren Taschkent-Aufenthalt mit einem weiteren Abendessen bei Scharipows (unseren Gastgebern) ausklingen ließen. Diesmal waren auch weitere Gäste geladen, was zu einer noch herzlicheren und schöneren Atmosphäre führte. Noch einmal vielen herzlichen Dank an Anwar und Sonja für die wundervollen Tage in Taschkent!
