Sonntag, Oktober 09, 2005

Endstation Dubai

Dubai, 8.-11. Oktober

Aus mehreren Gründen haben wir uns entschlossen, die Reise abzukürzen: Angesichts des auch in Dubai schlecht verträglichen Klimas konnten wir mittags keine anstrengenden Stadtspaziergänge unternehmen. Außerdem ist Dubai kein Isfahan, wo man problemlos ein oder zwei Wochen mit Sightseeing oder Herumlaufen und -sitzen verbringen kann, so daß die Luft bei uns etwas raus war (wir hätten einen Trip nach Maskat machen müssen, um Neues zu sehen). Schließlich aber stellte sich die Frage der Übernachtung - und wir entschlossen uns, die Reise stilvoll in einer schicken Herberge ausklingen zu lassen und die Mehrkosten dadurch zu begrenzen, daß wir weniger Nächte bleiben würden. Am Flughafen gab es ein Sonderangebot, in einem zentral gelegenen Fünfsterner namens "Metropolitan Palace" für 100 Eurotacken im DZ (bevor der Vorwurf "Snobs!" kommt: der Preis ist nicht p.P. gemeint!) zu übernachten. Wir ließen uns drauf ein und kauften die Katze im Sack. In der Tat wurde das Hotel seinem Namen ("palace") gerecht - Service und Innenausstattung waren einfach fantastisch! Hanno, der diesbzgl. versierter als ich ist, zog Vergleiche zu diversen Kempinskis sowie zum traditionsreichen "Atlantik" im Hamburg. British Airways zeigte sich kooperativ und ließ uns für ein geringes Entgelt auf den Dienstag morgen (2:00 nachts...) umbuchen. Somit ist morgen unser letzter Tag in Dubai - es steht noch eine Safari in die Wüste an, die hoffentlich den krönenden Abschluß der Reise bilden wird!

Alles weitere trage ich dann aus Deutschland nach!

Die Straße von Hormoz

Die Golfküste, 6.-8. Oktober

Die Geschlechtertrennung im Iran ist eine kuriose Sache. Einerseits gibt es in öffentlichen Bussen getrennte Bereiche für Männer und Frauen, wenngleich wir auch schon gesehen haben, daß sich der/die ein(e) oder andere darüber hinweggesetzt hat. Andererseits teilen sich in Nachtzügen Männer und Frauen ein Sechser-Abteil. Wir erwischten allerdings keine jungen, attraktiven iranischen Mädels, sondern lediglich eine vierköpfige Familie, deren vielleicht dreijähriger Sohn mir außerdem ständig die Schachfiguren klaute. Dennoch waren alle sehr nett und boten uns sogar von ihrem selbstgemachten und mitgebrachten Abendessen an. Der Komfort in iranischen Liegewagen ist gar nicht so schlecht - m.E. ungefähr wie in Deutschland, denn schließlich benutzen die Züge auch alte deutsche Waggons. Nachdem ich gegen halb sieben aufgestanden war, spazierte ich in den Speisewagen, ließ mir die frische, feuchtwarme Seeluft in die Nase wehen und schaute zu, wie mir durch eine bizarre Wüstenlandschaft der Küste entgegeneilten. In Bandar-e Abbas angekommen machten wir Bekanntschaft mit dem herrlichen Klima - selbst um 8 Uhr morgens herrschte eine drückende Schwüle. Glücklicherweise hatte wir keine Probleme, ein (klimatisiertes) Hotel zu finden, und bald darauf standen wir frisch geduscht und umgezogen am Pier der Hafenstadt, um auf das nahe Hormoz Island überzusetzen. Im Zug hatte Hanno übrigens geschwärmt, wie "geil" es würde, mit einem "speedboat" (Lonely Planet) auf dem Persischen Golf überzusetzen. Das "speedboat" entpuppte sich dann als 5 Meter langer Holzkahn mit Außenbordmotor, der von den Einheimischen mit allerhand Frachtgut be- und überladen wurde, so daß Hanno erst nach einigem Überlegen das Boot bestieg... Trotz ruhiger See wurden wir ziemlich durchgeschüttelt und waren beide froh, als wir auf Hormoz ankamen. Die Insel entspricht einigen Klischees, die zum Indischen Ozean kursieren - palmenbestandene Strandpromenade vor türkisfarbenem Wasser, einstöckige, helle Häuser und eine Atmosphäre des dolce far niente. Mir fiel sofort das sagenumwobene Sansibar ein - die Nähe zu Afrika wird durch die dunkle Haut vieler Einheimischer zusätzlich betont. Zudem sind viele Einwohner (wie auch auf dem Festland) Sunniten, und die Frauen tragen häufig Burkas mit prächtigen, farbenreichen Gesichtsmasken, die mich an Poe´s "The masque of the Red Death" erinnerten...
Die oben beschriebene Idylle wird durch die schweißtreibende Luftfeuchtigkeit allerdings empfindlich gestört, so daß wir froh waren, als wir nach Besichtigung der alten portugiesischen Festung incl. herrlichen Rundblicks wieder ins klimatisierte Hotel zurückkehren konnten. Hanno entschloß sich gleich, auf den geplanten Ausflug am Folgetag zu verzichten und stattdessen in Bandar-e Abbas zu bleiben - übrigens keine besonders ansehnliche Stadt. Am Abend gingen wir hervorragend essen, und ich rätsele immer noch, was sich hinter dem leckeren lion fish, der mir kredenzt wurde, verbarg.

Tags darauf war ich also alleine unterwegs. Ich setzte mit einem etwas vertrauenswürdigeren Boot nach Qeshm Island über und chartete ein Taxi nach Laft, das der Lonely Planet als wunderschönes authentisches Fischerdorf angepriesen hatte. Unterwegs kamen wir an Dhau-Werften vorbei und mußten kurz darauf abrupt bremsen, als eine Gruppe Kamele gemächlich die Straße überquerte. Die Viecher haben definitv Vorfahrt!
Als wir uns Laft näherten, dachte ich erst, die Autoren des LP hätten einen Sonnenstich erlitten und fing an, den Ausflug zu bereuen. Glücklicherweise verbarg sich der Dorfkern jedoch hinter einem Landvorsprung; und der Ausblick vom Hügel auf das Dorf war überwältigend: Auf fast jedes der ca. 200 Häuser kam ein badgir, der zumeist individuell gestaltet war, und vor der Küste befanden sich weitläufige Mangrovensümpfe. Nachdem ich den Ausblick genossen hatte und im Dorf herumspaziert war (leider hatten, da Freitag war, alle Läden zu) fuhr ich nach Bandar zurück und ließ den Tag gemächlich ausklingen. Am nächsten Morgen flogen wir in der Hoffnung auf erträglicheres Klima nach Dubai - eine Viertelstunde hoch und eine Viertelstunde runter...

Durch die Wüste

In Kerman machten wir uns am 3. Oktober auf, nicht ohne zuvor ein herrliches Mittagessen zu verspeisen, das Alis Mutter zubereitete (keshk bademjun). In Jasd suchten wir das bereits erwähnte Hotel auf - das 25$-Angebot war gültig und angesichts des großzügigen alten Innenhofs, in dem man wunderbar Tee trinken oder zu Abend essen (oder auch einfach nur dem Wasser in der Mitte lauschen) konnte, sein Geld mehr als wert. Besonders gut gefiel mir, daß die Zimmer direkt an den von einem riesigen Zelt überspannten Innenhof grenzten und ich nach dem Schlafengehen nicht die etwas sterile Stille eines normalen Hotelzimmers, sondern das leise Parlando der verbliebenen Gäste oder des Personals genießen konnte, so daß sich der Wechsel von draußen ins Zimmer weniger abrupt gestaltete. Am selben Abend fanden wir auch den einzigen uns bekannten "Saftladen" im Iran, der es mit dem in Masschad aufnehmen konnte.
Nachdem wir am Folgetag die Altstadt besichtigt hatten, verabredeten wir uns mit drei weiteren Europäern zu einer Wüstentour, und dinierten am Vorabend gemeinsam in unserem Hotel. Ein äußerst lebendiger und angenehmer Abend; gerade der Brite (auf dem Weg von London nach Thailand) hatte viel zu erzählen - vom Leben in London bis zu iranischen Konsulaten auf türkischem Boden - und tat dies in der humorvollen und lockeren Weise, die vielen seiner Landsleute zu eigen ist. Schließlich aber Nachtruhe, und am Folgetag ging es "durch die Wüste" - wir sahen ein charmantes, verfallendes Wüstendorf (Chanabad) , eine hübsche Provinzstadt mit einigen alten Relikten (Meibod) sowie ein zoroastrisches Heiligtum in dramatischer, geradezu in den Fels gehauener Lage an der Seitenwand eines Wüstentals (Tschak Tschak). Weniger wegen der Sehenswürdigkeiten an sich, sondern wegen der fantastischen Landschaft bleibt diese Tour einer meiner denkwürdigsten Eindrücke des Iran-Aufenthalts. Aber alles Schöne hat bekanntlich ein Ende, und wenige Stunden, nachdem wir nach Jasd zurückgekehrt waren, ging der Nachtzug nach Bandar-e Abbas: eine Hafenstadt, die für ihr schwüles, auch im Herbst äußerst unangenehmes Klima berüchtigt ist...

Montag, Oktober 03, 2005

Ein letztes Mal zu Gast

...bei einer iranischen Familie waren wir in Kerman, einer Halbmillionenstadt im Südosten des Irans. Unseren Gastgeber, einen Englisch-Studenten, hatten wir in Maschhad kennengelernt, wo er uns prompt eingeladen hatte, ihn und seine Familie zu besuchen. Die Anreise von Schiras war unproblematisch, so daß wir nach einem Begrüßungstee sowie kurzem Ausruhen uns auf den Weg in die Stadt machten: Ali (unser Gastgeber) war mit seiner Freundin (jaja, das gibt es) verabredet, die wiederum von einem Schwarm iranischer Mädchen begleitet wurde. Da wir uns in der lokalen, leicht abgespeckten Version des Phantasialandes trafen, hatte dies weitreichende Folgen: Zuerst wurde ich gedrängt, mich beim Elfmeterschießen zu probieren, wo ich gegen einen mäßig motivierten Torwart kümmerliche drei Treffer (von sechs möglichen) erzielte. Danach stiegen wir in eine überdimensionierte Schiffsschaukel (mit Überschlag) ein. Normalerweise stehe ich diesen Höllenmaschinen skeptisch gegenüber, aber Hanno hatte mich davon überzeugt, daß man sich in dem Ding keinen Zentimeter bewegen und daher nichts passieren könne. Ärgerlicherweise ließ sich der Gurt, der den Oberkörper festhielt, aber nicht arretieren, so daß ich sicherheitshalber doch einmal den Anweisungen folgte und meine Füße unter der nächsten Reihe einklemmte. Es zeigte sich bald, daß dies eine weise Entscheidung war, denn das Metallgestell über bzw. unter uns wackelte bedenklich und war zur Seite hin mehr oder weniger offen - irgendwie entsprach das Ding nicht ganz deutschen Sicherheitsstandards. Während ich mit zunächst vor allem um meinen Paß in der Hosentasche Sorgen machte, hatten die Bediener der Maschine eine kleine Gemeinheit ausgeheckt: Mitten in der Bewegung stoppte das Ding plötzlich ab - selbstverständlich fast auf dem höchsten Punkt - und machte auch keine Anstalten, wieder herunterzukommen. Nach einigen sehr langen Sekunden, in denen ich mir über die Möglichkeiten der örtlichen Feuerwehr Gedanken machte, senkte die Schaukel sich dann aber doch ab, und sehr erleichtert betraten wir wieder festen Boden.

Am darauffolgenden Tag schauten wir uns Kerman an (eine etwas unterschätzte Stadt), bevor ich in einem "Cafénet" der 1:2-Auswärtsniederlage des FC folgen durfte. Am Sonntag machten wir eine Tour in das 100 km entfernte Rayen. Dort befindet sich eine große Zitadelle, die die legendäre, nunmehr durch das Erdbeben zerstörte Burg von Bam zwar nicht ersetzen kann, aber dennoch sehr schön ist. Nach einem kleinen Picknick fuhren wir weiter nach Mahan - eine selten grüne Stadt mitten in der Wüste und mit zwei herrlichen Gartenanlagen gesegnet, von denen eine das Grabmal eines bekannten Sufi-Mystikers beherbergt. Für mich war dies einer der bleibendsten Eindrücke der Reise, zumal man das Minarett des Mausoleums besteigen und die ganze Hochebene mit den umgebenden Bergen von dort überblicken konnte, und das ohne andere Touristen.

Bevor wir uns am Montag verabschiedeten, kochte Alis Mutter noch kesht bademjun (oder so ähnlich) für uns - das leckerste Essen, was mir bisher im Iran vorgesetzt wurde. Wieder einmal hat eine iranische Familie uns mit bescheidenen Mitteln große Freude bereitet...