Sonntag, September 25, 2005

Vom Nutzen von Kraftausdrücken

Am ersten Tag in Buchara ließ sich Samira, unsere Fremdenführerin, von einer Freundin namens Vale (für Valentina) begleiten, die gerade zu Besuch war und ... nun ja, einen ziemlich handfesten und angebrühten Eindruck machte, aber sehr sympathisch wirkte. Ihre auffälligsten Merkmale waren ein Hang zu starker Schinke, dunkler Kleidung bei heißen Temperaturen (40 Grad) und bauchfreien Klamotten bei leichtem Übergewicht. Aber, wie gesagt, sehr nett und nach eigenen Angaben Sängerin in einem Moskauer Nachtklub. Als sie erwähnte, wie reich an Schimpfwörtern die russische Sprache sei, ließ ich es mir nicht nehmen, ein paar Ausdrücke zu lernen, zumal wir mehrfach von aggressiv bettelnden Kindern belästigt wurden.

Am nächsten Tag waren Hanno und ich alleine unterwegs und gingen auf den mutmaßlich schönsten Platz in Buchara vor der Kalon-Moschee, wo erneut eine ziemlich unverschämte Göre von vielleicht 11 Jahren (die mir schon am Vortag unangenehm aufgefallen war) die Hand aufhielt und mich ansprach: "Ey, look..." Ich entgegnete darauf ein halb gemurmeltes, halb gezischtes "Poshla ty nafik!" (sinngemäß: "Verpiss dich", wörtlich ungefähr: "Geh ficken!") worauf zwei Dinge eintraten: Die umstehenden Usbeken brachen in lautes Gelächter aus, die Kleine hingegen wurde plötzlich laut und brüllte mir nach: "Be careful! Watch your mouth!" Keine sehr nette, aber eine effektive Methode, sich Plagegeister vom Leib zu halten. Ich bedauere es ausgesprochen, daß ich keine persischen Schimpfwörter beherrsche: weniger wegen der manchmal etwas nervigen, aber nett gemeinten Smalltalks, in die wir an jeder Straßenecke verwickelt werden, sondern vielmehr wegen der verzogenen Jugendlichen, die einem bei jeder Gelegenheit ihr manchmal eher provozierendes als freundliches "Hello, Mister!" nachquäken. Die orientalische Gastfreundschaft sowie die Hilfsbereitschaft und offene Mentalität der Iraner haben uns in vielen Situationen weitergeholfen, haben aber auch ihre Kehrseiten.