Freitag, August 26, 2005

Warten auf Godot

Der Weg vom Issyk-Kul zurück nach Bischkek, 25. August

Samuel Becketts bekannteste Figuren, die beiden Tramps Wladimir und Estragon, haben kein Problem damit, tagelang auf den unbekannten Godot zu warten. Offenbar zieht es sie zu keinem bestimmten Ort. Wir wollten hingegen Tamga, einen kleinen Badeort am Issyk-Kul-See, verlassen und am Abend desselben Tages in Bischkek ankommen. Angesichts einer Strecke von etwa 300 Kilometern ein moderates Unternehmen, aber der Teufel steckte im Detail. An der Bushaltestelle war das einzige Fahrzeug, das anhielt, ein großer Autobus, mit dessen Brüdern und Schwestern wir schon traumatische Erfahrungen gesammelt hatten. Also nicht einsteigen. Alle anderen Fahrzeuge, ob privat oder öffentlich, fuhren weiter. Als dann einmal ein Minibus anhielt, war dieser so voll, daß wir meinten, es uns leisten zu können, auf den nächsten Bus zu warten, anstatt Stunden in gebückter Haltung zuzubringen. Eine Entscheidung mit Folgen. Nach geschlagenen zweieinhalb Stunden standen wir immer noch in der prallen Sonne, ohne daß etwas passiert wäre. Immerhin war an der Lage der Haltestelle - oberhalb einer türkisfarbenen Bucht, mit Blick auf die Gebirge zu beiden Seiten des Sees - nichts auszusetzen.

Schließlich entschloß ich mich, in den Ort zu gehen, um ein Taxi zu organisieren. Währenddessen fuhr natürlich ein großer Bus vorbei sowie ein Privatauto, daß wir mit anderen hätten teilen können. Selbstverständlich war mein Versuch erfolglos und Murphys Gesetz wieder einmal bestätigt. Als wir bereits der Verzweiflung nahe waren, hielt - dreieinhalb Stunden fruchtlosen Wartens waren vergangen - doch noch ein Kleintransporter, der uns für ein Appel und ein Ei auf improvisierten Rückbänken mitnahm. Hier nahmen wir hinter und neben ein paar Kirgisen Platz. Erleichtert brausten wir Bischkek entgegen, und der Fahrer, das muß man ihm zugutehalten, schonte den Wagen auf den schlechten Pisten nicht. Unterwegs stoppten wir ein paar Male, sei es, weil die Fahrer kurz schwimmen gehen wollten oder weil wir uns mit Fressalien (leckerer Räucherfisch!) eindeckten. Außerdem fühlten wir uns zwischendurch wie illegale Einwanderer, als die Chefs uns an einigen Polizeiposten anhielten, die Köpfe zu ducken, da die lokale militsia dem Geld nicht abhold sei (illegale Personenbeförderung?).

Insgesamt ging es aber recht zügig voran, und nach etwas mehr als 5 Stunden Fahrt kamen wir glücklich in Bischkek an. Jetzt stehen ein, zwei Tage Erholung an, bevor die lange und recht strapaziöse Fahrt nach Taschkent in Angriff nehmen.