Die Straße von Hormoz
Die Golfküste, 6.-8. Oktober
Die Geschlechtertrennung im Iran ist eine kuriose Sache. Einerseits gibt es in öffentlichen Bussen getrennte Bereiche für Männer und Frauen, wenngleich wir auch schon gesehen haben, daß sich der/die ein(e) oder andere darüber hinweggesetzt hat. Andererseits teilen sich in Nachtzügen Männer und Frauen ein Sechser-Abteil. Wir erwischten allerdings keine jungen, attraktiven iranischen Mädels, sondern lediglich eine vierköpfige Familie, deren vielleicht dreijähriger Sohn mir außerdem ständig die Schachfiguren klaute. Dennoch waren alle sehr nett und boten uns sogar von ihrem selbstgemachten und mitgebrachten Abendessen an. Der Komfort in iranischen Liegewagen ist gar nicht so schlecht - m.E. ungefähr wie in Deutschland, denn schließlich benutzen die Züge auch alte deutsche Waggons. Nachdem ich gegen halb sieben aufgestanden war, spazierte ich in den Speisewagen, ließ mir die frische, feuchtwarme Seeluft in die Nase wehen und schaute zu, wie mir durch eine bizarre Wüstenlandschaft der Küste entgegeneilten. In Bandar-e Abbas angekommen machten wir Bekanntschaft mit dem herrlichen Klima - selbst um 8 Uhr morgens herrschte eine drückende Schwüle. Glücklicherweise hatte wir keine Probleme, ein (klimatisiertes) Hotel zu finden, und bald darauf standen wir frisch geduscht und umgezogen am Pier der Hafenstadt, um auf das nahe Hormoz Island überzusetzen. Im Zug hatte Hanno übrigens geschwärmt, wie "geil" es würde, mit einem "speedboat" (Lonely Planet) auf dem Persischen Golf überzusetzen. Das "speedboat" entpuppte sich dann als 5 Meter langer Holzkahn mit Außenbordmotor, der von den Einheimischen mit allerhand Frachtgut be- und überladen wurde, so daß Hanno erst nach einigem Überlegen das Boot bestieg... Trotz ruhiger See wurden wir ziemlich durchgeschüttelt und waren beide froh, als wir auf Hormoz ankamen. Die Insel entspricht einigen Klischees, die zum Indischen Ozean kursieren - palmenbestandene Strandpromenade vor türkisfarbenem Wasser, einstöckige, helle Häuser und eine Atmosphäre des dolce far niente. Mir fiel sofort das sagenumwobene Sansibar ein - die Nähe zu Afrika wird durch die dunkle Haut vieler Einheimischer zusätzlich betont. Zudem sind viele Einwohner (wie auch auf dem Festland) Sunniten, und die Frauen tragen häufig Burkas mit prächtigen, farbenreichen Gesichtsmasken, die mich an Poe´s "The masque of the Red Death" erinnerten...
Die oben beschriebene Idylle wird durch die schweißtreibende Luftfeuchtigkeit allerdings empfindlich gestört, so daß wir froh waren, als wir nach Besichtigung der alten portugiesischen Festung incl. herrlichen Rundblicks wieder ins klimatisierte Hotel zurückkehren konnten. Hanno entschloß sich gleich, auf den geplanten Ausflug am Folgetag zu verzichten und stattdessen in Bandar-e Abbas zu bleiben - übrigens keine besonders ansehnliche Stadt. Am Abend gingen wir hervorragend essen, und ich rätsele immer noch, was sich hinter dem leckeren lion fish, der mir kredenzt wurde, verbarg.
Tags darauf war ich also alleine unterwegs. Ich setzte mit einem etwas vertrauenswürdigeren Boot nach Qeshm Island über und chartete ein Taxi nach Laft, das der Lonely Planet als wunderschönes authentisches Fischerdorf angepriesen hatte. Unterwegs kamen wir an Dhau-Werften vorbei und mußten kurz darauf abrupt bremsen, als eine Gruppe Kamele gemächlich die Straße überquerte. Die Viecher haben definitv Vorfahrt!
Als wir uns Laft näherten, dachte ich erst, die Autoren des LP hätten einen Sonnenstich erlitten und fing an, den Ausflug zu bereuen. Glücklicherweise verbarg sich der Dorfkern jedoch hinter einem Landvorsprung; und der Ausblick vom Hügel auf das Dorf war überwältigend: Auf fast jedes der ca. 200 Häuser kam ein badgir, der zumeist individuell gestaltet war, und vor der Küste befanden sich weitläufige Mangrovensümpfe. Nachdem ich den Ausblick genossen hatte und im Dorf herumspaziert war (leider hatten, da Freitag war, alle Läden zu) fuhr ich nach Bandar zurück und ließ den Tag gemächlich ausklingen. Am nächsten Morgen flogen wir in der Hoffnung auf erträglicheres Klima nach Dubai - eine Viertelstunde hoch und eine Viertelstunde runter...
Die Geschlechtertrennung im Iran ist eine kuriose Sache. Einerseits gibt es in öffentlichen Bussen getrennte Bereiche für Männer und Frauen, wenngleich wir auch schon gesehen haben, daß sich der/die ein(e) oder andere darüber hinweggesetzt hat. Andererseits teilen sich in Nachtzügen Männer und Frauen ein Sechser-Abteil. Wir erwischten allerdings keine jungen, attraktiven iranischen Mädels, sondern lediglich eine vierköpfige Familie, deren vielleicht dreijähriger Sohn mir außerdem ständig die Schachfiguren klaute. Dennoch waren alle sehr nett und boten uns sogar von ihrem selbstgemachten und mitgebrachten Abendessen an. Der Komfort in iranischen Liegewagen ist gar nicht so schlecht - m.E. ungefähr wie in Deutschland, denn schließlich benutzen die Züge auch alte deutsche Waggons. Nachdem ich gegen halb sieben aufgestanden war, spazierte ich in den Speisewagen, ließ mir die frische, feuchtwarme Seeluft in die Nase wehen und schaute zu, wie mir durch eine bizarre Wüstenlandschaft der Küste entgegeneilten. In Bandar-e Abbas angekommen machten wir Bekanntschaft mit dem herrlichen Klima - selbst um 8 Uhr morgens herrschte eine drückende Schwüle. Glücklicherweise hatte wir keine Probleme, ein (klimatisiertes) Hotel zu finden, und bald darauf standen wir frisch geduscht und umgezogen am Pier der Hafenstadt, um auf das nahe Hormoz Island überzusetzen. Im Zug hatte Hanno übrigens geschwärmt, wie "geil" es würde, mit einem "speedboat" (Lonely Planet) auf dem Persischen Golf überzusetzen. Das "speedboat" entpuppte sich dann als 5 Meter langer Holzkahn mit Außenbordmotor, der von den Einheimischen mit allerhand Frachtgut be- und überladen wurde, so daß Hanno erst nach einigem Überlegen das Boot bestieg... Trotz ruhiger See wurden wir ziemlich durchgeschüttelt und waren beide froh, als wir auf Hormoz ankamen. Die Insel entspricht einigen Klischees, die zum Indischen Ozean kursieren - palmenbestandene Strandpromenade vor türkisfarbenem Wasser, einstöckige, helle Häuser und eine Atmosphäre des dolce far niente. Mir fiel sofort das sagenumwobene Sansibar ein - die Nähe zu Afrika wird durch die dunkle Haut vieler Einheimischer zusätzlich betont. Zudem sind viele Einwohner (wie auch auf dem Festland) Sunniten, und die Frauen tragen häufig Burkas mit prächtigen, farbenreichen Gesichtsmasken, die mich an Poe´s "The masque of the Red Death" erinnerten...
Die oben beschriebene Idylle wird durch die schweißtreibende Luftfeuchtigkeit allerdings empfindlich gestört, so daß wir froh waren, als wir nach Besichtigung der alten portugiesischen Festung incl. herrlichen Rundblicks wieder ins klimatisierte Hotel zurückkehren konnten. Hanno entschloß sich gleich, auf den geplanten Ausflug am Folgetag zu verzichten und stattdessen in Bandar-e Abbas zu bleiben - übrigens keine besonders ansehnliche Stadt. Am Abend gingen wir hervorragend essen, und ich rätsele immer noch, was sich hinter dem leckeren lion fish, der mir kredenzt wurde, verbarg.
Tags darauf war ich also alleine unterwegs. Ich setzte mit einem etwas vertrauenswürdigeren Boot nach Qeshm Island über und chartete ein Taxi nach Laft, das der Lonely Planet als wunderschönes authentisches Fischerdorf angepriesen hatte. Unterwegs kamen wir an Dhau-Werften vorbei und mußten kurz darauf abrupt bremsen, als eine Gruppe Kamele gemächlich die Straße überquerte. Die Viecher haben definitv Vorfahrt!
Als wir uns Laft näherten, dachte ich erst, die Autoren des LP hätten einen Sonnenstich erlitten und fing an, den Ausflug zu bereuen. Glücklicherweise verbarg sich der Dorfkern jedoch hinter einem Landvorsprung; und der Ausblick vom Hügel auf das Dorf war überwältigend: Auf fast jedes der ca. 200 Häuser kam ein badgir, der zumeist individuell gestaltet war, und vor der Küste befanden sich weitläufige Mangrovensümpfe. Nachdem ich den Ausblick genossen hatte und im Dorf herumspaziert war (leider hatten, da Freitag war, alle Läden zu) fuhr ich nach Bandar zurück und ließ den Tag gemächlich ausklingen. Am nächsten Morgen flogen wir in der Hoffnung auf erträglicheres Klima nach Dubai - eine Viertelstunde hoch und eine Viertelstunde runter...

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