Sonntag, Oktober 09, 2005

Endstation Dubai

Dubai, 8.-11. Oktober

Aus mehreren Gründen haben wir uns entschlossen, die Reise abzukürzen: Angesichts des auch in Dubai schlecht verträglichen Klimas konnten wir mittags keine anstrengenden Stadtspaziergänge unternehmen. Außerdem ist Dubai kein Isfahan, wo man problemlos ein oder zwei Wochen mit Sightseeing oder Herumlaufen und -sitzen verbringen kann, so daß die Luft bei uns etwas raus war (wir hätten einen Trip nach Maskat machen müssen, um Neues zu sehen). Schließlich aber stellte sich die Frage der Übernachtung - und wir entschlossen uns, die Reise stilvoll in einer schicken Herberge ausklingen zu lassen und die Mehrkosten dadurch zu begrenzen, daß wir weniger Nächte bleiben würden. Am Flughafen gab es ein Sonderangebot, in einem zentral gelegenen Fünfsterner namens "Metropolitan Palace" für 100 Eurotacken im DZ (bevor der Vorwurf "Snobs!" kommt: der Preis ist nicht p.P. gemeint!) zu übernachten. Wir ließen uns drauf ein und kauften die Katze im Sack. In der Tat wurde das Hotel seinem Namen ("palace") gerecht - Service und Innenausstattung waren einfach fantastisch! Hanno, der diesbzgl. versierter als ich ist, zog Vergleiche zu diversen Kempinskis sowie zum traditionsreichen "Atlantik" im Hamburg. British Airways zeigte sich kooperativ und ließ uns für ein geringes Entgelt auf den Dienstag morgen (2:00 nachts...) umbuchen. Somit ist morgen unser letzter Tag in Dubai - es steht noch eine Safari in die Wüste an, die hoffentlich den krönenden Abschluß der Reise bilden wird!

Alles weitere trage ich dann aus Deutschland nach!

Die Straße von Hormoz

Die Golfküste, 6.-8. Oktober

Die Geschlechtertrennung im Iran ist eine kuriose Sache. Einerseits gibt es in öffentlichen Bussen getrennte Bereiche für Männer und Frauen, wenngleich wir auch schon gesehen haben, daß sich der/die ein(e) oder andere darüber hinweggesetzt hat. Andererseits teilen sich in Nachtzügen Männer und Frauen ein Sechser-Abteil. Wir erwischten allerdings keine jungen, attraktiven iranischen Mädels, sondern lediglich eine vierköpfige Familie, deren vielleicht dreijähriger Sohn mir außerdem ständig die Schachfiguren klaute. Dennoch waren alle sehr nett und boten uns sogar von ihrem selbstgemachten und mitgebrachten Abendessen an. Der Komfort in iranischen Liegewagen ist gar nicht so schlecht - m.E. ungefähr wie in Deutschland, denn schließlich benutzen die Züge auch alte deutsche Waggons. Nachdem ich gegen halb sieben aufgestanden war, spazierte ich in den Speisewagen, ließ mir die frische, feuchtwarme Seeluft in die Nase wehen und schaute zu, wie mir durch eine bizarre Wüstenlandschaft der Küste entgegeneilten. In Bandar-e Abbas angekommen machten wir Bekanntschaft mit dem herrlichen Klima - selbst um 8 Uhr morgens herrschte eine drückende Schwüle. Glücklicherweise hatte wir keine Probleme, ein (klimatisiertes) Hotel zu finden, und bald darauf standen wir frisch geduscht und umgezogen am Pier der Hafenstadt, um auf das nahe Hormoz Island überzusetzen. Im Zug hatte Hanno übrigens geschwärmt, wie "geil" es würde, mit einem "speedboat" (Lonely Planet) auf dem Persischen Golf überzusetzen. Das "speedboat" entpuppte sich dann als 5 Meter langer Holzkahn mit Außenbordmotor, der von den Einheimischen mit allerhand Frachtgut be- und überladen wurde, so daß Hanno erst nach einigem Überlegen das Boot bestieg... Trotz ruhiger See wurden wir ziemlich durchgeschüttelt und waren beide froh, als wir auf Hormoz ankamen. Die Insel entspricht einigen Klischees, die zum Indischen Ozean kursieren - palmenbestandene Strandpromenade vor türkisfarbenem Wasser, einstöckige, helle Häuser und eine Atmosphäre des dolce far niente. Mir fiel sofort das sagenumwobene Sansibar ein - die Nähe zu Afrika wird durch die dunkle Haut vieler Einheimischer zusätzlich betont. Zudem sind viele Einwohner (wie auch auf dem Festland) Sunniten, und die Frauen tragen häufig Burkas mit prächtigen, farbenreichen Gesichtsmasken, die mich an Poe´s "The masque of the Red Death" erinnerten...
Die oben beschriebene Idylle wird durch die schweißtreibende Luftfeuchtigkeit allerdings empfindlich gestört, so daß wir froh waren, als wir nach Besichtigung der alten portugiesischen Festung incl. herrlichen Rundblicks wieder ins klimatisierte Hotel zurückkehren konnten. Hanno entschloß sich gleich, auf den geplanten Ausflug am Folgetag zu verzichten und stattdessen in Bandar-e Abbas zu bleiben - übrigens keine besonders ansehnliche Stadt. Am Abend gingen wir hervorragend essen, und ich rätsele immer noch, was sich hinter dem leckeren lion fish, der mir kredenzt wurde, verbarg.

Tags darauf war ich also alleine unterwegs. Ich setzte mit einem etwas vertrauenswürdigeren Boot nach Qeshm Island über und chartete ein Taxi nach Laft, das der Lonely Planet als wunderschönes authentisches Fischerdorf angepriesen hatte. Unterwegs kamen wir an Dhau-Werften vorbei und mußten kurz darauf abrupt bremsen, als eine Gruppe Kamele gemächlich die Straße überquerte. Die Viecher haben definitv Vorfahrt!
Als wir uns Laft näherten, dachte ich erst, die Autoren des LP hätten einen Sonnenstich erlitten und fing an, den Ausflug zu bereuen. Glücklicherweise verbarg sich der Dorfkern jedoch hinter einem Landvorsprung; und der Ausblick vom Hügel auf das Dorf war überwältigend: Auf fast jedes der ca. 200 Häuser kam ein badgir, der zumeist individuell gestaltet war, und vor der Küste befanden sich weitläufige Mangrovensümpfe. Nachdem ich den Ausblick genossen hatte und im Dorf herumspaziert war (leider hatten, da Freitag war, alle Läden zu) fuhr ich nach Bandar zurück und ließ den Tag gemächlich ausklingen. Am nächsten Morgen flogen wir in der Hoffnung auf erträglicheres Klima nach Dubai - eine Viertelstunde hoch und eine Viertelstunde runter...

Durch die Wüste

In Kerman machten wir uns am 3. Oktober auf, nicht ohne zuvor ein herrliches Mittagessen zu verspeisen, das Alis Mutter zubereitete (keshk bademjun). In Jasd suchten wir das bereits erwähnte Hotel auf - das 25$-Angebot war gültig und angesichts des großzügigen alten Innenhofs, in dem man wunderbar Tee trinken oder zu Abend essen (oder auch einfach nur dem Wasser in der Mitte lauschen) konnte, sein Geld mehr als wert. Besonders gut gefiel mir, daß die Zimmer direkt an den von einem riesigen Zelt überspannten Innenhof grenzten und ich nach dem Schlafengehen nicht die etwas sterile Stille eines normalen Hotelzimmers, sondern das leise Parlando der verbliebenen Gäste oder des Personals genießen konnte, so daß sich der Wechsel von draußen ins Zimmer weniger abrupt gestaltete. Am selben Abend fanden wir auch den einzigen uns bekannten "Saftladen" im Iran, der es mit dem in Masschad aufnehmen konnte.
Nachdem wir am Folgetag die Altstadt besichtigt hatten, verabredeten wir uns mit drei weiteren Europäern zu einer Wüstentour, und dinierten am Vorabend gemeinsam in unserem Hotel. Ein äußerst lebendiger und angenehmer Abend; gerade der Brite (auf dem Weg von London nach Thailand) hatte viel zu erzählen - vom Leben in London bis zu iranischen Konsulaten auf türkischem Boden - und tat dies in der humorvollen und lockeren Weise, die vielen seiner Landsleute zu eigen ist. Schließlich aber Nachtruhe, und am Folgetag ging es "durch die Wüste" - wir sahen ein charmantes, verfallendes Wüstendorf (Chanabad) , eine hübsche Provinzstadt mit einigen alten Relikten (Meibod) sowie ein zoroastrisches Heiligtum in dramatischer, geradezu in den Fels gehauener Lage an der Seitenwand eines Wüstentals (Tschak Tschak). Weniger wegen der Sehenswürdigkeiten an sich, sondern wegen der fantastischen Landschaft bleibt diese Tour einer meiner denkwürdigsten Eindrücke des Iran-Aufenthalts. Aber alles Schöne hat bekanntlich ein Ende, und wenige Stunden, nachdem wir nach Jasd zurückgekehrt waren, ging der Nachtzug nach Bandar-e Abbas: eine Hafenstadt, die für ihr schwüles, auch im Herbst äußerst unangenehmes Klima berüchtigt ist...

Montag, Oktober 03, 2005

Ein letztes Mal zu Gast

...bei einer iranischen Familie waren wir in Kerman, einer Halbmillionenstadt im Südosten des Irans. Unseren Gastgeber, einen Englisch-Studenten, hatten wir in Maschhad kennengelernt, wo er uns prompt eingeladen hatte, ihn und seine Familie zu besuchen. Die Anreise von Schiras war unproblematisch, so daß wir nach einem Begrüßungstee sowie kurzem Ausruhen uns auf den Weg in die Stadt machten: Ali (unser Gastgeber) war mit seiner Freundin (jaja, das gibt es) verabredet, die wiederum von einem Schwarm iranischer Mädchen begleitet wurde. Da wir uns in der lokalen, leicht abgespeckten Version des Phantasialandes trafen, hatte dies weitreichende Folgen: Zuerst wurde ich gedrängt, mich beim Elfmeterschießen zu probieren, wo ich gegen einen mäßig motivierten Torwart kümmerliche drei Treffer (von sechs möglichen) erzielte. Danach stiegen wir in eine überdimensionierte Schiffsschaukel (mit Überschlag) ein. Normalerweise stehe ich diesen Höllenmaschinen skeptisch gegenüber, aber Hanno hatte mich davon überzeugt, daß man sich in dem Ding keinen Zentimeter bewegen und daher nichts passieren könne. Ärgerlicherweise ließ sich der Gurt, der den Oberkörper festhielt, aber nicht arretieren, so daß ich sicherheitshalber doch einmal den Anweisungen folgte und meine Füße unter der nächsten Reihe einklemmte. Es zeigte sich bald, daß dies eine weise Entscheidung war, denn das Metallgestell über bzw. unter uns wackelte bedenklich und war zur Seite hin mehr oder weniger offen - irgendwie entsprach das Ding nicht ganz deutschen Sicherheitsstandards. Während ich mit zunächst vor allem um meinen Paß in der Hosentasche Sorgen machte, hatten die Bediener der Maschine eine kleine Gemeinheit ausgeheckt: Mitten in der Bewegung stoppte das Ding plötzlich ab - selbstverständlich fast auf dem höchsten Punkt - und machte auch keine Anstalten, wieder herunterzukommen. Nach einigen sehr langen Sekunden, in denen ich mir über die Möglichkeiten der örtlichen Feuerwehr Gedanken machte, senkte die Schaukel sich dann aber doch ab, und sehr erleichtert betraten wir wieder festen Boden.

Am darauffolgenden Tag schauten wir uns Kerman an (eine etwas unterschätzte Stadt), bevor ich in einem "Cafénet" der 1:2-Auswärtsniederlage des FC folgen durfte. Am Sonntag machten wir eine Tour in das 100 km entfernte Rayen. Dort befindet sich eine große Zitadelle, die die legendäre, nunmehr durch das Erdbeben zerstörte Burg von Bam zwar nicht ersetzen kann, aber dennoch sehr schön ist. Nach einem kleinen Picknick fuhren wir weiter nach Mahan - eine selten grüne Stadt mitten in der Wüste und mit zwei herrlichen Gartenanlagen gesegnet, von denen eine das Grabmal eines bekannten Sufi-Mystikers beherbergt. Für mich war dies einer der bleibendsten Eindrücke der Reise, zumal man das Minarett des Mausoleums besteigen und die ganze Hochebene mit den umgebenden Bergen von dort überblicken konnte, und das ohne andere Touristen.

Bevor wir uns am Montag verabschiedeten, kochte Alis Mutter noch kesht bademjun (oder so ähnlich) für uns - das leckerste Essen, was mir bisher im Iran vorgesetzt wurde. Wieder einmal hat eine iranische Familie uns mit bescheidenen Mitteln große Freude bereitet...

Mittwoch, September 28, 2005

Von Rosen und Nachtigallen

Shiraz, 26.-30. September 2005

Shiraz, die Stadt des großen persischen Dichters Hafez wird gerne als Stadt der Liebe und Poesie, als Stadt der Rosen und Nachtigallen, beschrieben. Der arglose Reisende, der die Stadt betritt, bemerkt davon erst einmal nichts: Die Hotels der Stadt gruppieren sich um einen großen und geschäftigen Boulevard herum, dessen Geräusche, um nicht zu sagen Lärm, sich auch in den Seitenstraßen bemerkbar machen und die Nachtruhe versüßen. Auch wenn man am nächsten Morgen die (sehr respektablen) Sehenswürdigkeiten der Stadt aufsucht, ist davon nicht viel zu spüren: Das von schroffen Gebirgen und trockenen Hochebenen umgebene Shiraz wirkt wie eine ganz normale iranische Großstadt, und Rosen und Nachtigallen gibt es allenfalls als Mosaik-Dekoration auf dem Iwan einer Moschee.

Am ersten Tag schauten wir uns, wie oben beschrieben, die Hauptsehenwürdigkeiten an. Eine Moschee, die wir besichtigten, wirkte von außen geschlossen, wir versuchten natürlich trotzdem hereinzukommen. Tatsächlich ließ sich das massive Holzportal leicht aufdrücken, und im sehr eindrucksvollen Innenhof befand sich keine Menschenseele, obowhl Gerüste, Farbeimer etc. auf im Gang befindliche Restaurationsarbeiten hindeuteten. In die Mittagspause gegangen und vergessen abzuschließen!?
Etwas später trafen wir uns mit einem weiteren Ali, den Hanno in Mashhad kennengelernt hatte und der dort auf Pilgerfahrt war. Ein zurückhaltender Mittdreißigermit Frau, Kind und Vollbart. Dieser machte uns mit zwei ähhhh, exentrischen Freunden bekannt, die sehr nett und unterhaltsam, aber auf die Dauer auch etwas anstrengend waren. Einer der beiden wurde von den beiden anderen immer "Lori" genannt - ein Nomadenvolk Irans, vielleicht den Ostfriesen vergleichbar, denn es gibt auch regelrechte Lori-Witze. Nachdem wir vom Universitätsberg (wo Ali arbeitete) den Blick auf die Stadt genossen hatten, die drei sich für eine halbe Stunde entschuldigt hatten (Abendgebet!) und einige Zeit kreuz und quer durch Shiraz gekurvt hatten, wurden wir schließlich zu einem klasse Kebab-Abendessen eingeladen. (Wir revanchierten uns natürlich am nächsten Tag beim Lunch mit Ali.)

Tags drauf lernten wir Alis Arbeitsplatz (ein wissenschaftliches Publikationszentrum) von innen kennen und plauderten mit seinem Chef, der uns die Bedeutung der Anlage für den wissenschaftlichen Austausch im Nahen Osten erläuterte. Danach spazierten wir noch mit Ali durch den universitätseigenen Botanischen Garten, und endlich einmal spürten wir den oasenhaften Zauber, der an Shiraz gerühmt wird. Später fuhren Hanno und ich noch zum Mausoleum von Hafez, einer ebenfalls sehr schönen, grünen Anlage, in der man es lange, lange aushalten kann. Mit Einbruch der Dunkelheit kehrten wir aber in die Stadt zurück, denn am nächsten Tag würde der recht anstrengende Ausflug nach Persepolis auf dem Programm stehen!

Sonntag, September 25, 2005

Das Herz des alten Persien

Seit fünf Tagen befinden wir uns nun in Isfahan, und ich muß zugeben, daß ich hier fünf weitere Tage bleiben könnte. Aus anderen iranischen und zentralasiatischen Städten waren wir gewöhnt, daß Wasser Mangelware war und bestenfalls das ein oder andere Kanälchen durch die Stadt floß. Am extremsten sicher in der Wüstenstadt Aschgabat. Aber Isfahan - herrliche alte Brücken über einen breiten Fluß, märchenhafte Parkanlagen, endlose steinerne Fußwege am Ufer entlang... Ein Gefühl, das ich aus Europa kenne, aber hier, inmitten der asiatischen Gebirge, Steppen und Wüsten, sehr vermißt habe. Dazu kommt, daß Isfahan unübertreffliche Baudenkmäler (die von anderen genügend gewürdigt wurden) aufzuweisen hat und es einem daher nicht langweilig werden kann. Kurz, ich habe mir mit der Reise in diese Stadt einen lange gehegten Traum erfüllt.

Vom Nutzen von Kraftausdrücken

Am ersten Tag in Buchara ließ sich Samira, unsere Fremdenführerin, von einer Freundin namens Vale (für Valentina) begleiten, die gerade zu Besuch war und ... nun ja, einen ziemlich handfesten und angebrühten Eindruck machte, aber sehr sympathisch wirkte. Ihre auffälligsten Merkmale waren ein Hang zu starker Schinke, dunkler Kleidung bei heißen Temperaturen (40 Grad) und bauchfreien Klamotten bei leichtem Übergewicht. Aber, wie gesagt, sehr nett und nach eigenen Angaben Sängerin in einem Moskauer Nachtklub. Als sie erwähnte, wie reich an Schimpfwörtern die russische Sprache sei, ließ ich es mir nicht nehmen, ein paar Ausdrücke zu lernen, zumal wir mehrfach von aggressiv bettelnden Kindern belästigt wurden.

Am nächsten Tag waren Hanno und ich alleine unterwegs und gingen auf den mutmaßlich schönsten Platz in Buchara vor der Kalon-Moschee, wo erneut eine ziemlich unverschämte Göre von vielleicht 11 Jahren (die mir schon am Vortag unangenehm aufgefallen war) die Hand aufhielt und mich ansprach: "Ey, look..." Ich entgegnete darauf ein halb gemurmeltes, halb gezischtes "Poshla ty nafik!" (sinngemäß: "Verpiss dich", wörtlich ungefähr: "Geh ficken!") worauf zwei Dinge eintraten: Die umstehenden Usbeken brachen in lautes Gelächter aus, die Kleine hingegen wurde plötzlich laut und brüllte mir nach: "Be careful! Watch your mouth!" Keine sehr nette, aber eine effektive Methode, sich Plagegeister vom Leib zu halten. Ich bedauere es ausgesprochen, daß ich keine persischen Schimpfwörter beherrsche: weniger wegen der manchmal etwas nervigen, aber nett gemeinten Smalltalks, in die wir an jeder Straßenecke verwickelt werden, sondern vielmehr wegen der verzogenen Jugendlichen, die einem bei jeder Gelegenheit ihr manchmal eher provozierendes als freundliches "Hello, Mister!" nachquäken. Die orientalische Gastfreundschaft sowie die Hilfsbereitschaft und offene Mentalität der Iraner haben uns in vielen Situationen weitergeholfen, haben aber auch ihre Kehrseiten.

Samstag, September 24, 2005

Das heilige Buch

Was dem Juden die Thora, dem Christen die Bibel und dem Muslim der Koran, ist dem Individualreisenden der Lonely-Planet-Reiseführer. Für diejenigen, die diese Reihe nicht kennen: es handelt sich um ein äußerst praktisches Buch, in dem so ziemlich alles drinsteht, was man braucht, von gemütlichen Hotels über leckere Restaurants bis zu Busfahrtzeiten und Tips beim Verhandeln mit Taxifahrern. Man könnte sogar sagen, er sei absolut unverzichtbar, da es auch keine vernünftigen Alternativen gibt und er durch die Rückmeldungen von Reisenden auch selten veraltet ist. Da sich der Reiseführer auch an Reisende mit schmalem Geldbeutel richtet und es davon viele gibt (gerade weil viele Leute lange reisen), hat das Buch Referenzcharakter. Überrascht bin ich allerdings, wie verbreitet das Buch auch in der iranischen Hotellerie ist, und hierzu kann ich folgende Geschichte, die gestern abend passiert ist, einflechten:

Wir waren aufs Hotelzimmer zurückgekommen und hatten uns zum Schlafen vorbereitet, als plötzlich und überraschend das Telefon klingelte. Es meldete sich ein passables Englisch sprechender Iraner (leicht gekürzt): "Hello, are you going to Yazd?"
"Yeeeeaaaahhhhh......???"
"Do you have accomodation on Yazd"
"Hmmmm..... not yet!?"
"I have a nice hotel in Yazd. If you like, I can give you my card and put it under the door of your room."
"Why not?"
So geschah es dann auch und kurz darauf lag eine nett gestaltete Visitenkarte mit einem handschriftlich eingetragenen Preis von 25 $ fürs Doppelzimmer in unserem Zimmer. Zu unserer Überraschung klingelte kurz darauf erneut das Telefon:
"Did you get my card?""Yes, we did."
"Fine. The hotel is "The Author`s choice" in your Lonely Planet and described on page 237. Normally, the room costs 45$ but I assumed that you are budget travellers because you stayed in this place (unser Hotel war wirklich nett und keinesfalls am unteren Ende der finanziellen Skala). So I give it to you for 25 $. Furthermore, the restaurant is the first of Lonely Planet`s Top 5 traditional restaurants in Iran, look on page 77."

Nachdem ich mich verabschiedet und aufgelegt hatte (in der Tat wurde das Hotel über den grünen Klee gelobt), kamen mir dunkle Gedanken, in denen das Wort "Mafia" eine herausragende Rolle spielte... Fairerweise muß man aber zugeben, daß wir mit den Lonely-Planet-Tips fast immer gut gefahren sind, und solange dies so bleibt, werden wir (und viele andere Reisende) der Mafia treu bleiben...

P.S. Zu den aktuell beliebten und tendenziell überlaufenen Reisezielen gehört Südostasien. In Kirgisien erzählte uns ein Mitreisender, daß man dort die Lonely-Planet-Tips bei den Unterkünten nicht zu ernst nehmen dürfte: "The places were good, but as soon as they were recommended by the LP, quality went down and prices went up, so it is often better to choose the places at the end of the LP list." Im Iran trifft man aber ebenso wenige Individualreisende wie in Zentralasien, nämlich eine sehr überschaubare Anzahl, so daß wir mit diesem Phänomen bisher nicht zu kämpfen hatten.

Donnerstag, September 15, 2005

Schwarze Schleier, bunte Lichter

Maschhad, 11.-13. September 2005

Wenn man die Stadt Maschhad bei Nacht betritt, wundert man sich als Europaeer ueber mehrere Dinge: die Unmenge an hellerleuchteten Geschaeften, die sich beiderseits der grossen Strassen draengen, die grell flutende Neonreklame fuer allen moeglichen Kram, den selbst um Mitternacht nur zaeh fliessenden Verkehr mit dem obligatorischen Hupkonzert - und schliesslich die schwarze Einheitskleidung der Frauen. In keinem anderen Ort im Iran, den wir bisher gesehen haben, trugen die Frauen durch die Bank schwarze Tschadors, die nur das Gesicht weitgehend freilassen. Woanders tragen die Frauen teilweise locker sitzende Kopftuecher, die mehr der Dekoration als der Verhuellung dienen - dort jedoch nicht. Dies liegt offenbar daran, dass Maschhad eine heilige Stadt der Schiiten ist und die Kleidungsvorschriften dort strenger ausgelegt werden als anderswo. Entsprechend amuesant ist es, zuzuschauen, wenn viele Frauen sich durch die Strassen draengen, hier und dort Klamotten pruefen und laut schnatternd weiterziehen - bis auf den Schleier eine ganz normale Szene aus einer europaeischen Grossstadt, dieser allerdings gibt dem Ganzen eine skurrile Note.

Nachdem wir festgestellt hatten, dass es in Maschhad ausser dem Heiligtum des Imam Reza wenig zu sehen gab, besichtigen wir am zweiten Abend den heiligen Schrein - eine riesige Anlage mit einer Unzahl an festlich erleuchteten Innenhoefen, in denen sich die Pilger auf opulenten Gebetsteppichen draengten, die mit Handkarren durch die Gegend gefahren wurden. Obwohl die Architektur der Anlage mit ihrem gewollten Prunk mir fast kitschig vorkam, beeindruckten mich dennoch die ergriffenen Menschen, die die Tueren der einzelnen Hoefe kuessten und unter Vollzug diverser Rituale zum Schrein vordrangen. Weder Hanno noch ich gingen ins "Allerheiligste" hinein, da wir uns dort fehl am Platze vorgekommen waeren, aber die unglaublich emotionale Stimmung, die die Menschen verbreiteten, duerfte ein bleibenderer Eindruck sein als diese oder jene praechtig geschmueckte Grabkammer.

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Auf Einladung eines iranischen Turkmenen, den wir in Aschgabat kennengelernt hatten, besuchten wir anschließend Gonbad-e Kavous. Direkt am ersten Abend schauten wir uns die größte (und einzige) Sehenswürdigkeit der Stadt an - einen 55 Meter hohen, innen leeren Turm, dessen Dach kegelförmig zuläuft. Vor dem Eingang lümmelten ein paar mit Gras vollgestopfte Jugendliche herum und lallten irgendwelche orientalische Melodien in den Turm hinein - wovon wegen des imposanten Echos auch wir etwas mitbekamen. Am nächsten Morgen sprachen uns ein paar Halbstarke an (das kommt im Iran häufig vor, auch von Erwachsenen, und zwar einfach deshalb, weil Touristen eher Seltenheitswert besitzen) und fragten uns in gebrochenem Englisch, woher wir kämen, was wir machten, etc. Als wir den Turm erwähnten, brachen sie in einhelliges Gelächter aus und ließen mit eindeutigen Gesten erkennen, welche Spitznamen sie unter sich dem Wahrzeichen der Stadt gegeben hatten. Außerdem erteilte ich mit bekannter Pedanterie einer jungen Iranerin, die in Deutschland studieren wollte, Sprachunterricht - Reza, unser Gastgeber, der passables Deutsch spricht, hatte ihr die Anfangsgründe beigebracht, ich kümmerte mich dann darum, die typisch iranischen Eigenheiten in der Aussprache deutscher Wörter zu beseitigen...

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Nach einem unspektakulären Zwischenstopp in Sari erreichten wir mit Teheran unseren mehr oder weniger westlichsten Punkt der Reise. Über drei Ecken herum hatte ich aus Deutschland einen Kontakt gewonnen, der uns in Teheran behilflich sein sollte - aber uns natürlich zuerst für vier Tage in seine Wohnung in Karadsch, einer Vorstadt der 14-Millionen-Metropole, einlud. Allein das Gebäude sowie dessen ansonsten leere Privatgarage ließen Hanno und mir den Atem stocken, aber die üppig eingerichtete Wohnung setzte noch einmal einen drauf. Nach einem schmackhaften Mittagessen, das Samira, die Frau unseres Gastgebers Ali, zubereitete, folgte eine gesellige Unterhaltung sowie später am Abend ein Tennismatch zwischen Ali und Hanno, das letzterer mit 7:5 (nur ein Gewinnsatz) für sich entschied. Ali nahm es locker, wie es seine Art ist. Er ist übrigens ein 24 Jahre alter Geschäftsmann, der in der (Bau-)Firma seines Vaters arbeitet, drei Jahre in London studiert hat, und über einen pointierten Humor verfügt - so kündigte er uns mehrfach eine fürstliche Rechnung für Kost und Logis an und kam sogar auf die Idee, den Gebrauch der Toilette oder des Fernsehers zu besteuern! Seine entspannte, westlich geprägte Art hat es uns sehr erleichtert, erste Verkrampfungen zum Thema "zu Gast in einer iranischen Familie" abzulegen.
Wie dem auch sei, in den folgenden Tagen lernten wir Alis und Samiras Verwandtschaft kennen - allesamt den oberen Zehntausend Teherans zuzurechnen, dabei aber fast immer sehr umgänglich und höflich. Wir aßen Kebab in netten Lokalen, kauften einen weiteren (diesmal maschinell gefertigten) Teppich, den ich noch verschicken muß, und besichtigten eine familiengeführte Kaugummi-Fabrik, die einem Verwandten Alis gehörte. Dies war natürlich hochinteressant, vor allem weil Ali betonte, daß die Mitarbeiter sehr gut behandelt würden! In der Tat wirkten alle sehr freundlich, interessiert und keineswegs ausgelaugt; es bleibt zu hoffen, daß dies nicht nur gut gemachte Fassade war. Am Samstagabend schließlich schaltete ich bei Ali zu Hause das Bundesliga-Radio ein (via Internet) und verfolgte den 2:1-Derbysieg meines geliebten 1. FC Köln gegen den Lokalrivalen aus Gladbach. Damit war der Abend natürlich gerettet, Hanno "beschwerte" sich auch, daß es unmöglich sei, mit mir ein normales Gespräch zu führen... Am letzten Abend gingen wir mit Ali und seiner Familie zu einer Hochzeit im Verwandtenkreis. Nachdem im offiziellen Teil Männer und Frauen getrennt gesessen und gegessen hatten, fuhr danach der "engere Kreis", zu dem wir aus unerfindlichen Gründen ebenfalls gehörten, in eine schicke Apartmentanlage, wo im Keller weitergefeiert und getanzt wurde. In diesem hocheleganten Umfeld unterschieden sich die Frauen dann auch nicht mehr von ihren europäischen Kolleginnen: Nich nur, daß die Kopftücher beim Betreten des Privathauses abgelegt wurden, auch die Tücher selbst stellten bei vielen jüngeren Frauen eher die Andeutung einer islamischen Bekleidung als die echte Verhüllung des Haares dar. Überflüssig zu erwähnen, daß der Dschador überhaupt nicht zu sehen war. Und in Sachen Make-Up toppen die Iranerinnen sämtliche deutschen Society-Ladys.

Ach ja, wir haben nebenher auch etwas von der Stadt gesehen. Den Golestan-Palast, den Saadabat-Palast (die Residenz der Pahlevi-Schahs) und als Highlight das Nationale Juwelenmuseum. Selbst für einen Schmuck-Analphabeten wie mich war das hochfiligrane Geblitzer und Gefunkel absolut überwältigend. Juwelen in allen Farben, mit allen Arten von Edelsteinen und zum Teil in überwältigender Größe. Das Prunkstück war eine 60-70 Zentimeter große Erdkugel in einer goldenen Halterung, und mit verschiedenen Edelsteinen an der Stelle von Ländern, Meeren und Kontinenten.

Montag, September 12, 2005

Legoland in der Karakum

Aschgabat, 8.-11. September im Jahr 14 der turkmenischen Zeitrechnung (d.i. ab der Machtergreifung von Turkmenbaschi)

Wie bereits aus der Beschreibung unseres Hotels und der unmittelbaren Umgebung hervorging, wird in Aschgabat geklotzt statt gekleckert. Die Erlöse der großen Erdöl- und Erdgasvorkommen werden vor allem dafür verwendet, daß Nijasow, der von allen geliebte und verehrte Turkmenbaschi (=Führer der Turkmenen), glänzendweiße Monumentalbauten sowie gewaltige Parks und Brunnen aus dem Boden stampft. Davon sind zwar etliche leerstehend, dafür aber häufig streng bewacht. Gipfelpunkt der Bautätigkeit ist der Neutralitätsbogen, der die turkmenische "Politik der Neutralität" verherrlicht und auf dessen Spitze eine große goldene, dem Sonnenlauf nachfolgende Figur von Turkmenbaschi steht. (Welch ein Geniestreich, nach Ende des kalten Krieges eine Politik der Neutralität auszurufen!)
Etwaige ökonomische Probleme werden daurch bekämpft, daß z.B. ein Brunnen, der mit einem Kopf von Turkmenbaschi geschmückt ist, von 20 Frauen gesäubert wird und somit jeder die Möglichkeit hat, seinen Dienst am turkmenischen Land und seinem glorreichen Führer abzuleisten.

Fuer uns war es unglaublich faszinierend, inmitten des ganzen leeren Pomps, der Aschgabats ausmacht, umherzuspazieren. Schlussendlich hatten wir das Wort vom "Legoland" gefunden - so unrealistisch und kuenstlich wirkten die marmorfarbenen Apartmenthaueser inmitten einer alles in allem armen Stadt sowie die begruenten Parks mit ihren riesigen Brunnen inmitten der Wueste, die unmittelbar hinter den letzten Hauesern der Stadt beginnt. Genau an dieser Grenzlinie lag auch unser Hotel, umgeben nur von seinen gleich prachtvollen - und gleich leeren - Nachbarn. Abends war kaum jemand auf der Strasse zu sehen.

Am 10. September fuhren wir zum Tolkutschka-Basar hinaus, wo ich nach zaehen und ermuedenden Verhandlungen letztlich einen Teppich erwarb. Dieser war allerdings - zumindest meiner Meinung nach - sehr schoen (ob er wertvoll ist, kann ich nicht beurteilen), so dass sich die Muehe gelohnt hat. Da es ein Samstag war und wir bereits am Folgetag das Land verlassen mussten (Transitvisum!), war nun aber Eile geboten. Zack, zack fuhren wir per Taxi zurueck in die Stadt, wo wir 10 Minuten vor Ultimo in der Zollstelle des Teppichmuseums eintrafen und ein paar nette alte Damen den Teppich vermassen (sorry, hier gibt es kein sz!) und eine Exportgenehmigung erteilten. Danach ging es weiter zur Post, wo ich zunaechst an die Flughafenpost verwiesen wurde, bis ich schliesslich, im Hinausgehen begriffen, doch noch herangewinkt wurde. Ich durfte eine Stunde warten (eine Turkmenin vor mir verschickte ihren halben Haushalt!), etliche Formulare ausfuellen (einige davon in fuenffacher Ausfertigung) , bevor mein Teppich in einen grossen Baumwollsack gesteckt (!) und dieser per Hand zusammengenaeht (!!) sowie mit Wachs versiegelt wurde (!!!). (Wie ich mittlerweile erfahren habe, ist der Teppich bereits heil in Deutschland angekommen - ein Hoch auf die turkmenische Post!).

Am letzten Abend entschlossen wir uns, die niedrigen Essenspreise und die Existenz einer Unzahl repraesentativer Gebaeude auszunutzen, um ueber den Daechern der Stadt zu dinieren. Auf der obersten Etage einer gewaltigen Pyramide (eigentlich ein Einkaufszentrum) fanden wir ein Restaurant, wo das Essen sehr solide, aber nicht ueberragend war, dafuer aber der Rundumblick auf das naechtliche Aschgabat hors catégorie war. Ausserdem gab es sehr respektable Livemusik - turkmenischer, russischer und auch etwas internationaler Pop. Ein gelungener Ausklang dreier Tage in einer erstaunlichen, einzigartigen Stadt!
Mashhad, den 12. September 2005 - Gonbad-e Kavous, 14. September 2005

Der Höllenritt nach Aschgabat

Der Weg von Buchara nach Aschgabat, 8. September 2005

Ein typisches Problem einer Turkmenistan-Reise besteht darin, ein Visum zu bekommen, um überhaupt erst einreisen zu dürfen. Möchte man nicht 40€ pro Tag an einen lizensierten Führer abdrücken oder besitzt man gute geschäftliche Kontakte, so besteht die einzige Möglichkeit darin, ein Transitvisum zu beantragen. Dies hat gewisse Vorteile, da z.B. keine Registrationspflicht im Hotel besteht, aber den gravierenden Nachteil, daß das resultierende Zeitfenster sehr eng ist - in unserem Fall vom 8. bis zum 11. September. Wir entschlossen uns also, direkt das 720 km entfernte Aschgabat, die nahe der iranischen Grenze gelegene Hauptstadt, anzusteuern.

Nachdem die Zöllner uns einigermaßen in Ruhe gelassen hatten (sie ließen uns aus einer Mischung aus Pflichtbewußtsein, Neugier und Langeweile unser Gepäck auspacken, stellten uns aber nicht vor ernsthafte Probleme) und wir die Taxihaie an der Grenze einigermaßen unbeschadet überstanden hatten, fanden wir einen Fahrer, der bereit war, uns von Turkmenabat (dem früheren Charjou) nach Aschgabat zu bringen und unterwegs mit uns die Ausgrabungen von Merw zu besichtigen. Dies klappte vorzüglich, weil Robert de Niro (unser Spitzname für den Fahrer) auf den relativ guten turkmenischen Straßen sowohl ordentlich Gas gab als auch die periodisch wiederkehrenden Streckenposten, die uns mißtrauisch beäugten, gut im Griff hatte, so daß wir zügig durchkamen. (Die Engländer, von denen ich im Samarkand-Posting sprach, verbrachten hier im Schnitt eine halbe Stunde, allerdings waren sie auch mit dem eigenen Auto unterwegs. Offenbar stellten sie eine willkommene Abwechslung für die 18jährigen Rekruten dar, die meistens das Gros der Soldaten stellten.) Merw enttäuschte uns ebenfalls nicht, so daß wir nach 10 Stunden im Auto und 15 Stunden Reisezeit spät in Aschgabat ankamen und noch mal schnell auf dem Schwarzmarkt Geld umtauschten. Der Kurs war - wahrscheinlich aufgrund der späten Stunde - relativ schlecht, aber im Vergleich zu den offiziellen Kursen immer noch das Vier- bis Fünffache. Danach verabschiedeten wir uns von de Niro und suchten im Hotelvorort Berzengi Quartier. Dieser besteht aus 15-20 im historisierenden Stil gebauten Hotels, von denen das pompöseste und aufdringlichste - welch Wunder - den Namen "Hotel President" trägt und mit einem großen Turkmenbaschi-Bild verziert ist. Diese i.d.R. äußerst komfortablen, in historisierendem Stil erbauten Quartiere sind jedoch dank der Hotelleidenschaft von Turkmenbaschi hochsubventioniert und daher auch für Reisende mit eingeschränktem Budget sehr erschwinglich. Das Quartier, in dem wir uns schließlich einfanden, ließ, was Zimmer, Bad, Service und Eingangshalle (mit einerm großen, verzierten Schachtisch!) betrifft, schließlich auch kaum Wünsche offen. Leben wie Gott in Turkmenistan, mit der freundlichen Unterstützung des Hotelbaschis.